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4. und 5. Therapiesitzung – Die Umbauphase der extrazellulären Matrix

Nach den ersten drei Behandlungen hat sich die Durchblutung des Gewebes meist deutlich verbessert. Die Sauerstoffversorgung ist erhöht, Stoffwechselprodukte werden schneller abtransportiert und die Muskulatur beginnt, ihre chronische Schutzspannung zu verlieren. Nun beginnt die eigentliche Regenerationsphase – der Umbau der extrazellulären Matrix (ECM oder EZM).

Die extrazelluläre Matrix ist weit mehr als nur ein „Füllmaterial“ zwischen den Zellen. Sie bildet das dreidimensionale Netzwerk, in dem Muskeln, Faszien, Sehnen, Bänder, Nerven und Blutgefäße eingebettet sind. Sie besteht aus Kollagenfasern, Elastin, Hyaluronsäure, Proteoglykanen und zahlreichen Signalstoffen, die den Austausch zwischen den Zellen steuern.

Bei chronischen Schmerzen ist diese Matrix häufig verändert. Durch anhaltende Entzündungen, Sauerstoffmangel und dauerhafte Muskelverspannungen verliert sie ihre ursprüngliche Struktur. Das Gewebe wird dichter, weniger gleitfähig und schlechter durchblutet. Faszien verkleben, der Flüssigkeitsaustausch wird eingeschränkt und selbst kleinste Blutgefäße können komprimiert werden. Dadurch entsteht ein Kreislauf aus Minderdurchblutung, Stoffwechselstörung und Schmerz.

Mit den ersten CO₂-Behandlungen wurde dieser Kreislauf durchbrochen. Jetzt beginnt der Körper, die geschädigte Matrix Schritt für Schritt zu erneuern.

Die „Baustelle“ des Körpers

Fibroblasten – die wichtigsten Reparaturzellen des Bindegewebes – arbeiten nun auf Hochtouren. Sie bauen gealterte oder geschädigte Kollagenfasern ab und ersetzen sie durch neu geordnetes Gewebe. Gleichzeitig verändern sich Zusammensetzung und Wasserbindung der Grundsubstanz. Die Matrix wird wieder elastischer und durchlässiger.

Dieser Umbau ist vergleichbar mit der Sanierung eines Hauses: Bevor neue tragfähige Strukturen entstehen können, müssen zunächst alte und instabile Bereiche entfernt werden. Während dieser Bauphase herrscht vorübergehend mehr Aktivität als im fertigen Zustand.

Warum die Schmerzen jetzt manchmal wieder zunehmen

Genau diese intensive Umbauarbeit erklärt, warum viele Patientinnen und Patienten zwischen der vierten und fünften Behandlung eine vorübergehende Zunahme ihrer Beschwerden verspüren. Der Grund ist nicht, dass sich das Gewebe verschlechtert – vielmehr arbeitet der Organismus jetzt besonders intensiv an seiner Regeneration.

Während der Matrixumbau abläuft,

  • werden alte Kollagenstrukturen enzymatisch abgebaut,
  • verändern sich Wassergehalt und Gewebedruck,
  • werden Entzündungs- und Reparaturbotenstoffe freigesetzt,
  • entstehen neue Kapillaren und feinste Gefäßverbindungen,
  • passen sich Nervenendigungen an die veränderte Gewebeumgebung an.

Diese biologische Aktivität kann das Gewebe vorübergehend empfindlicher machen. Viele Patienten beschreiben dieses Empfinden als einen „Muskelkater in der Tiefe“, als Druckgefühl oder als das Wiederauftreten alter Schmerzen. Aus physiologischer Sicht handelt es sich dabei häufig um eine Reaktion auf die intensive Gewebeerneuerung und nicht um eine erneute Schädigung.

Das Gewebe gewinnt seine Gleitfähigkeit zurück

Ein weiterer wichtiger Prozess betrifft die Faszien. Chronisch entzündetes oder schlecht durchblutetes Bindegewebe verliert häufig seine Fähigkeit, die einzelnen Gewebeschichten reibungsarm gegeneinander gleiten zu lassen.

Während der Umbauphase verbessert sich die Qualität der Grundsubstanz. Die Hyaluronsäure bindet wieder mehr Wasser, das Gewebe wird geschmeidiger und die mechanischen Kräfte verteilen sich gleichmäßiger. Muskeln, Faszien und Sehnen können wieder harmonischer zusammenarbeiten.

Ein Wendepunkt der Therapie

Die vierte und fünfte Therapiesitzung markieren deshalb häufig einen entscheidenden Wendepunkt. Die anfängliche Schmerzlinderung beruhte vor allem auf einer verbesserten Durchblutung und einer Entspannung der Muskulatur. Jetzt entstehen dagegen strukturelle Veränderungen, die deutlich nachhaltiger sind.

Viele Patienten empfinden diese Phase zunächst als Rückschritt. Tatsächlich handelt es sich jedoch häufig um den Übergang von einer kurzfristigen funktionellen Verbesserung zu einer tiefergehenden biologischen Regeneration.

Sobald diese Umbauprozesse abgeschlossen sind, berichten viele Patientinnen und Patienten in den folgenden Behandlungen über eine deutlich stabilere Belastbarkeit, mehr Beweglichkeit und eine nachhaltigere Schmerzreduktion. Das Gewebe ist nun nicht nur besser durchblutet – es ist auch strukturell widerstandsfähiger geworden.

Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und in einem medizinisch anspruchsvollen Blog die extrazelluläre Matrix als „Organ“ beschreiben. Dieses moderne Verständnis (nach Pischinger und der aktuellen Matrixbiologie) passt hervorragend zur Wirkweise der CO₂-Carboxytherapie, weil diese Therapie in erster Linie die Mikrozirkulation und das Matrixmilieu verbessert. Dadurch erhält der Artikel eine wissenschaftlich tiefere, aber dennoch gut verständliche Erklärung für den nachhaltigen Therapieeffekt.

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