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Qigong – Hirn und Herz: vom Denken ins Fühlen Teil 1

Qigong als echte verkörperte Erfahrung

Viele Menschen verbringen einen großen Teil ihres Tages im Kopf. Sie planen, organisieren, bewerten und reagieren. Die Wahrnehmung des eigenen Körpers tritt dabei häufig in den Hintergrund. Müdigkeit, Anspannung oder Überforderung werden manchmal erst bemerkt, wenn sie bereits sehr ausgeprägt sind.

Qigong lädt dazu ein, die Aufmerksamkeit vom Denken zurück in den Körper zu führen. Dieser Prozess wird auch als Embodiment bezeichnet: Körperliche Empfindungen, Atmung, Bewegung und innere Wahrnehmung werden bewusst miteinander verbunden. Im Qigong geht es nicht allein darum, Bewegungsabläufe korrekt auszuführen. Entscheidend ist die Erfahrung während des Übens:

  • Wie stehe ich im gegenwärtigen Moment?
  • Wo halte ich unbewusst Spannung fest?
  • Wie fühlt sich meine Atmung an?
  • Kann ich eine Bewegung ausführen, ohne mich anzustrengen?
  • Was verändert sich, wenn mein Atem tiefer und ruhiger wird?

Durch diese Form der Aufmerksamkeit kann die Verbindung zum eigenen Körper und zum eigenen Ich wieder deutlicher spürbar werden. Statt den Körper nur zu kontrollieren oder funktionieren zu lassen, wird er als lebendiger Teil der eigenen Persönlichkeit erlebt.

Die Atmung vertiefen und im Körper ankommen

Unter Stress wird die Atmung häufig schneller und oberflächlicher. Qigong verbindet langsame Bewegungen mit einer ruhigen, natürlichen Atmung. Sie wird dabei nicht mit Kraft gesteuert. Vielmehr darf sie sich im Verlauf des Übens allmählich vertiefen und freier werden. Die bewusste Atmung gibt der Aufmerksamkeit eine Richtung. Sie kann dabei helfen, aus kreisenden Gedanken zurück in die unmittelbare körperliche Erfahrung zu gelangen.

Mit dem Einatmen und Ausatmen entsteht ein natürlicher Rhythmus. Dieser Rhythmus kann als innere Orientierung dienen und mehr Präsenz im Körper ermöglichen. Bewegung, Atmung und Aufmerksamkeit werden nicht länger getrennt wahrgenommen, sondern verbinden sich zu einer gemeinsamen Erfahrung. Das regelmäßige Üben kann dabei unterstützen,

  • die eigene Atmung bewusster wahrzunehmen,
  • körperliche Stresssignale früher zu erkennen,
  • aus dem Gedankenstrom zurück in den Körper zu finden,
  • den Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung zu erleben,
  • sich wieder stärker mit den eigenen Bedürfnissen zu verbinden,
  • im gegenwärtigen Moment präsenter zu sein.

Selbstregulation durch die Verbindung von Körper und Geist

Unser Organismus ist grundsätzlich in der Lage, zwischen Aktivität und Erholung zu wechseln. Bei anhaltender Belastung kann dieser natürliche Wechsel jedoch erschwert sein. Gedanken kreisen weiter, Muskeln bleiben angespannt und selbst freie Zeit wird nicht immer als erholsam erlebt.

Selbstregulation bezeichnet die Fähigkeit, auf Anforderungen angemessen zu reagieren und nach einer Belastung wieder in ein individuelles Gleichgewicht zurückzufinden. Diese Fähigkeit lässt sich nicht ausschließlich durch Nachdenken entwickeln. Sie benötigt körperliche Erfahrungen von Stabilität, Sicherheit, Bewegung und Ruhe.

Qigong schafft einen Übungsraum, in dem Körper und Geist wieder miteinander in Verbindung treten können. Langsame Bewegungen, ein stabiler Stand und eine vertiefte Atmung vermitteln dem Organismus andere Erfahrungen als der häufig beschleunigte Alltag. Auf diese Weise kann Qigong helfen, festgehaltene Anspannung wahrzunehmen, das eigene Befinden bewusster zu regulieren und wieder einen verlässlicheren Kontakt zu sich selbst aufzubauen.

Resilienz entsteht auch durch Kohärenz

Resilienz wird häufig als psychische Widerstandskraft beschrieben. Sie bedeutet jedoch nicht, jede Belastung aushalten oder immer stark sein zu müssen. Zu einer gesunden Widerstandskraft gehört auch, eigene Grenzen zu erkennen, rechtzeitig innezuhalten und vorhandene Ressourcen zu aktivieren.

Ein wichtiger Aspekt der Resilienz ist Kohärenz. Damit ist ein stimmiges Zusammenspiel verschiedener körperlicher, emotionaler und geistiger Prozesse gemeint. Gedanken, Gefühle, Atmung und Körperempfindungen werden nicht mehr als voneinander getrennt erlebt, sondern können sich zunehmend aufeinander abstimmen.

Beim Qigong entsteht Kohärenz durch das Zusammenspiel von:

  • ruhiger und vertiefter Atmung im natürlichen Rhythmus
  • fließender Bewegung & stabiler Körperhaltung,
  • konzentrierter Aufmerksamkeit
  • bewusster innerer Ausrichtung.

Auch der Begriff Herzkohärenz beschreibt einen Zustand, in dem Atmung, Herzrhythmus und emotionales Erleben geordneter zusammenspielen können. Qigong ersetzt keine medizinische Behandlung. Die ruhige Atmung und die achtsame Bewegung können jedoch Bedingungen fördern, unter denen ein Gefühl von innerer Stimmigkeit und Ausgeglichenheit leichter entstehen kann. Diese Erfahrung kann die Resilienz stärken: nicht durch noch mehr Anstrengung, sondern durch eine bessere Verbindung zu den eigenen körperlichen und seelischen Ressourcen.

… wird fortgesetzt, weitere Informationen zu Qigong gibt es hier

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